{"id":1333,"date":"2011-12-29T20:00:29","date_gmt":"2011-12-29T18:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/mhak.de\/?p=1333"},"modified":"2012-01-09T13:04:57","modified_gmt":"2012-01-09T11:04:57","slug":"buchbesprechung-die-sachsische-armee-zur-zeit-des-deutschen-bundes-1815-1867","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mhak.de\/?p=1333","title":{"rendered":"Buchbesprechung:<br> Die S\u00e4chsische Armee zur Zeit des Deutschen Bundes 1815 \u2013 1867"},"content":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt der Historiographie zur deutschen Milit\u00e4rgeschichte des 19. Jahrhunderts stand und steht die Armee des K\u00f6nigreichs Preu\u00dfen. Diese Fokussierung erkl\u00e4rt sich vor allem durch deren Erfolge in den Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870\/71.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nDas preu\u00dfische Milit\u00e4rwesen wurde zum Vorbild f\u00fcr die \u00fcbrigen deutschen Staaten, nicht nur f\u00fcr diese, sondern selbst f\u00fcr das fern\u00f6stliche Kaiserreich Japan. Vor und nach der Reichsgr\u00fcndung bestimmte Preu\u00dfen durch Milit\u00e4rkonventionen, ab 1871 durch Artikel 57 bis 68 der Reichverfassung F\u00fchrung, Gliederung, Ausbildung und Ausr\u00fcstung aller Heereskontingente des Reiches. Auch dies erkl\u00e4rt die vergleichsweise geringe Zahl von Ver\u00f6ffentlichungen zur Milit\u00e4rgeschichte der \u00fcbrigen deutschen Staaten.<\/p>\n<p>F\u00fcr das K\u00f6nigreich Sachsen hat jetzt Wolfgang G\u00fclich, Brigadegeneral a. D., mit seinem Buch \u00fcber die S\u00e4chsische Armee in der Zeit des Deutschen Bundes insoweit eine L\u00fccke geschlossen. Diese Neuerscheinung schlie\u00dft an G\u00fclichs Buch \u00fcber die S\u00e4chsische Armee in der Zeit Napoleons an (2. Auflage, Beucha 2008).<\/p>\n<p>Der Verfasser schildert eingehend die Ver\u00e4nderungen der Armee des nach dem Wiener Kongress 1815 mehr als halbierten K\u00f6nigreiches zwischen 1815 und 1867. Als Mitglied des Deutschen Bundes stellte Sachsen zum Bundesheer nur noch ein Kontingent in Divisionsst\u00e4rke. Dies lie\u00df wenig Raum f\u00fcr eigenst\u00e4ndige Entwicklungen, es gab zum Beispiel keinen s\u00e4chsischen Generalstab.<br \/>\nAuf der Grundlage sorgf\u00e4ltiger Recherchen wird die S\u00e4chsische Armee vom  Ende der napoleonischen Kriege bis 1867 mit ihren sich regelm\u00e4\u00dfig \u00e4ndernden Gliederungen, zum Teil bis in die Ebene der Kompanie, den Namen wichtiger milit\u00e4rischer F\u00fchrer, Ausr\u00fcstung, Ausbildung, Rekrutierung und Sozialstruktur beschrieben.<\/p>\n<p>Die Armee des K\u00f6nigreichs kam in dem genannten Zeitraum wiederholt zum Einsatz, zun\u00e4chst bei den Unruhen im Revolutionsjahr 1848. In Sachsen waren die sozialen Spannungen aufgrund der fr\u00fchen Industrialisierung und der liberalen Ideen im B\u00fcrgertum gro\u00df. Wie in \u00d6sterreich, Preu\u00dfen sowie den meisten anderen deutschen Staaten bek\u00e4mpfte die Armee vor allem in Leipzig und Dresden Aufst\u00e4ndische. Zu einem \u201eObservationskorps\u201c des Deutschen Bundes mussten 6.000 Soldaten gestellt werden, mit dem unter F\u00fchrung Preu\u00dfens die Aufst\u00e4nde in Baden und in der Pfalz niedergeschlagen wurden. G\u00fclich schildert die milit\u00e4rischen Aktionen nicht isoliert, sondern zeigt die Zusammenh\u00e4nge mit den sozialen Problemen, der nationalen Frage sowie deren Auswirkungen auf die Truppe auf.<\/p>\n<p>Im Jahre 1849 kam es in Schleswig-Holstein zu einem Einsatz des s\u00e4chsischen Bundes-Kontingents gegen D\u00e4nemark. F\u00fcr diesen Feldzug werden Gliederung, Ausr\u00fcstung sowie Verlauf der Kampfhandlungen mit gro\u00dfer Detailgenauigkeit geschildert. Dies gilt auch f\u00fcr den Krieg von 1864, wiederum gegen D\u00e4nemark, in dem s\u00e4chsische Truppen die Sicherung der ostholsteinischen K\u00fcste gegen eine m\u00f6gliche d\u00e4nische Landung \u00fcbernahmen.<\/p>\n<p>Besonders ausf\u00fchrlich widmet sich G\u00fclich der Darstellung des Deutsch-Deutschen Krieges 1866, einschlie\u00dflich der politischen Vorgeschichte und die Machtkonstellation bei Kriegsbeginn. \u00d6sterreich hatte am 14. Juni 1866 die Mobilmachung der Klein- und Mittestaaten, also auch Sachsens, im Frankfurter Bundestag durchgesetzt.<\/p>\n<p>Der Krieg 1866 wurde und wird in Deutschland bisher weitgehend aus der Sicht Preu\u00dfens und der damit erreichten Voraussetzungen f\u00fcr die Reichsgr\u00fcndung beschrieben. G\u00fclich w\u00e4hlt dagegen die Perspektive der deutsche Mittelstaaten, soweit sie 1866 Gegner Preu\u00dfens waren. Das K\u00f6nigreich Sachsen und seine Armee stehen dabei aus nahe liegenden Gr\u00fcnden im Zentrum seiner Darstellung.<br \/>\nVor den \u00fcberlegenen Preu\u00dfen r\u00e4umte die S\u00e4chsische Armee das Gebiet des K\u00f6nigreiches und wich nach B\u00f6hmen aus, um sich dort mit den \u00f6sterreichischen Verb\u00fcndeten zu vereinigen, was die Niederlage bei K\u00f6niggr\u00e4tz nicht verhindert konnte. Der Verlauf des Feldzuges, die Bewegungen der Truppen, F\u00fchrungs- und Versorgungsprobleme werden ausf\u00fchrlich beschrieben.<\/p>\n<p>Mit der Niederlage und der Milit\u00e4rkonvention mit Preu\u00dfen vom 9. Februar 1867, sp\u00e4testens mit der Reichsgr\u00fcndung und Reichsverfassung von 1871 fand die Selbst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit der S\u00e4chsischen Armee weitgehend ihr Ende.<\/p>\n<p>Durch G\u00fclichs Buch erf\u00e4hrt diese Armee ihre verdiente Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit. Seine breit angelegte Darstellung mit allen Details und Ver\u00e4nderungen zwischen 1815 und 1867, den Eins\u00e4tzen, an denen s\u00e4chsische Soldaten beteiligt waren, erg\u00e4nzt durch Bilder, Karten sowie gut ausgew\u00e4hlte Quellen und Dokumente im Anhang, ist nicht nur f\u00fcr Fachhistoriker, sondern auch f\u00fcr andere Interessenten von Wert. Es ist das Verdienst von Wolfgang G\u00fclich, dass Sachsen damit aus dem Schatten der preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4rgeschichte heraustreten kann.<\/p>\n<p>Dr. Michael Vollert<br \/>\nOberst a. D.<\/p>\n<p>Wolfgang G\u00fclich: Die S\u00e4chsische Armee zur Zeit des Deutschen Bundes 1815 \u2013 1867, Sax Verlag Markkleeberg 2010. ISBN 978-3-86729-052-4, 342 Seiten, \u20ac 30.<\/p>\n<p>Im Jahre 2009 hielt Herr Brigadegeneral G\u00fclich vor dem MHAK den Vortrag <a href=\"https:\/\/mhak.de\/?p=531\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mhak.de\/wp-content\/uploads\/link.gif\" alt=\"\" \/>  &#8222;Die S\u00e4chsische Armee zur Zeit Napoleons &#8211; Die Reorganisation von 1810&#8220;<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt der Historiographie zur deutschen Milit\u00e4rgeschichte des 19. Jahrhunderts stand und steht die Armee des K\u00f6nigreichs Preu\u00dfen. 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